globalisierung

April 7, 2008

Viele junge Menschen in Berlin haben eine gute Ausbildung genossen. Sie fühlen sich in vielen Sprachen zuhause.

…oh, wenn man mich nur wählen liesse im November!

Diese Rede über Rasse und Rassismus in Amerika war die Antwort von Barack Obama und seinem Wahlkampfteam auf Vorwürfe, die aufgekommen waren, nachdem tagelang folgende Predigt des Pfarrers von Barack Obamas Kirchengemeinde in Chicago durch die Medien geschleift wurde:

” …The government gives them [black people] the drugs, builds bigger prisons, passes a three-strike law and then wants us to sing God bless America? No, no no! Not God bless America, God damn America! That’s in the bible for killing innocent people…”

Das predigt also Pastor Wright.

Bis jetzt wußte ich nicht, wer von den beiden Demokraten mir lieber wäre im Weißen Haus (wer ist schon noch anspruchsvoll nach acht Jahren Dubya?). Doch hier - sagt mir ein ungutes Gefühl - hätte Ms Clinton anders und schlechter reagiert. Sie wäre mit aller Macht zurückgerudert, hätte das gesagt, was die Medien hören wollen, hätte kategorisch geleugnet, dass etwas Wahres dran ist an der Predigt des Herrn Wright aus Chicago. Dass er vielleicht nicht ganz unrecht hat mit seiner Wut.

Obama und sein Team sind mit dieser Rede alles andere als den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Sie haben sich entschlossen, unangenehme Wahrheiten auf den Tisch zu bringen, unangenehme Wahrheiten für beide “Seiten”. Sie haben gezeigt, dass sie nicht nur wissen, sondern auch bereit sind öffentlich zuzugeben, dass es manchmal nichts hilft God bless America zu rufen.*

Diese Bereitschaft ist gar nicht häufig im amerikanischen Wahlkampf, wo vor allem die Analysten im Fernsehen gebetsmühlenartig wiederholen, wenn nicht gar fordern, man dürfe niemanden auf die Füße treten als Kandidat. Soll also als Kandidat allen gleichzeitig gefallen, gleichzeitig die Weltbilder aller Bürger bestätigen, ja niemanden herausfordern über seinen Tellerrand zu gucken.

Deswegen war die Daily Show auch so positiv überrascht: “And so, at 11 o’clock a.m. on a Tuesday, a prominent politician spoke to Americans about race as though they were adults.”

[* sorry. wenn jemand so eine gute rede hält, werde ich schon mal melodramatisch.]

Ha!

Februar 27, 2008

Der Spiegel hat diese Woche ein Sonderheft (!) über Frauen herausgebracht. (Kann man loben, muss man aber nicht.) Nun ist das mit dem Feminismus und der Gleichberechtigung wieder ein, zwei Jahre abgehakt bei den Jungs in Hamburg.

Denn das starke Geschlecht in der eigenen Redaktion zu was kommen zu lassen, so weit muss man’s ja auch nicht treiben, ne? Das sagt auch der Oliver und singt ebenfalls ein Loblied auf Charlotte Roche.

Charlotte Roche ist der Grund, warum ich mich gerade oft freue, wenn ich eine Zeitung aufschlage. Ich weiß noch nicht, ob ich ihr Buch lesen werde, aber dass die Kampagne zur Veröffentlichung desselben alle Medien durchdrungen hat, ist herrlich, denn so kann man viele, viele, viele kluge Interviews mit ihr lesen.

Und zur Feier des Tages hier noch ein schönes Zitat von Naomi Wolf:

“Until recently, the locus of sexual fantasy was peopled with images actually glimpsed or were sensations actually felt, and private imaginings taken from suggestions in the real world, a dream well where weightless images from it floated, transformed by imagination.

[...] Lucky men and women are able to keep a pathway clear to that dreamwell, peopling it with scenes and images that meet them as they get older, created with their own bodies’ mingling with other bodies; they choose a lover because a smell from a coat, a way of walking, the shape of a lip, belong in their imagined interior and resonate back in time and deep in the bones that recall childhood and early adolescent imagination. The locus of fantasy of a lucky man holds no robots; of a lucky woman, no predators; they reach adulthood with no violence in the garden.”

(The Beauty Myth, 1991)

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Fehlt mir das nötige Urteilsvermögen oder gibt es schlicht keinen Unterschied zwischen dieser Art der Berichterstattung und jener?

Ich dachte ich kenne dieses Lied. Ich dachte es sei ein kitschiger Klampfensong, von Jugendlichen an allen Lagerfeuern der Welt, die drei Akkorde und eine akustische Gitarre ihr Eigen nennen, bis zum Erbrechen zum Besten gegeben.

Da kommt Nina Simone und treibt am Klavier ihre Band hart und unerbittlich vor sich her, singt mit leerer kalter Stimme und eben solchem Gesicht, so dass einem eisige Schauer über den Rücken laufen. Und man hört den Text wie zum ersten Mal und begreift ihn. Simone steigert das Tempo und den Puls des Liedes bis es einen hypnotischen Rhythmus bekommt, keuchend im Kreis rennt, stolpert und taumelt.

Deswegen vermutlich hat der Regisseur Michael Almereyda den Trailer seines neuen Films New Orleans Mon Amour, der im kaputten New Orleans nach Katrina spielt, mit Nina Simones Version des Folksongs The House of the Rising Sun unterlegt.

Guardian Unlimited ist ganz vorne dabei bei den neuen Medien. Man meint das ernst mit der Interaktion mit dem Leser und hat das Konzept der Blogs schneller als alle anderen britischen Medien ganz fest umarmt. Die Comment is Free-Seiten, auf denen Leser alle Blogeinträge, Kolumnen und Opinion Pieces kommentieren dürfen, nein, sollen!, definieren sich so:

The aim is to host an open-ended space for debate, dispute, argument and agreement and to invite users to comment on everything they read. [bitteschön]

Das kann auch mal zu interessanten Ergebnissen führen. Auf einem neuen Reiseblog ["Travelog" - genau genommen nicht in den Comment is Free-Seiten enthalten, sondern unter Other Blogs] ging es in den letzten Tagen so heiß her, dass anderthalb Tage nach dem ersten Eintrag - nachdem gut 400 Kommentare eingetroffen waren, die meisten davon wutentbrannt - dort die Kommentarfunktion erst mal abgeschaltet wurde. Später hat dann auch der Ressortleiter die Geschichte kommentiert und sich gerechtfertigt.

Mit dieser neuen Art des Journalismus, oder besser gesagt, mit dieser Art sich, seine Texte, Inhalte, Autoren zur Diskussion zu stellen, tut man sich noch etwas schwerer hierzulande (Exhibit A). Auch wenn man gern drüber redet, ist es halt leichter gesagt als getan, sich mit dem geschätzten Leser in eine faire Diskussion zu begeben.

EDIT, 19.02.: Weiterhin wird heftig diskutiert und kritisiert wie der Guardian die obige Situation gehandhabt hat. Sehr interessant ist weniger das, was den verantwortlichen Redakteuren vorgeworfen wird (Vetternwirtschaft hauptsächlich), sondern die Tatsache, dass sie sich gerade wegen der progressiven Gestaltung ihrer Online-Ausgabe damit auseinander setzen müssen. Wäre der Artikel nicht als Blogpost sondern als Printartikel erschienen, mehr als zwei, drei spöttische Leserbriefe ob seiner Qualität hätte er nicht nach sich gezogen.

Wie “dialogbereit” die Online-Auftritte der großen deutschen Zeitungen sind, hat sich Dirk von Gehlen neulich angesehen. (via Medienlese)

Mein Mann sagt, ich sei der angenehmere Teil seiner Karriere, und dieses Dankeschön hätte ich verdient. Ein Solitär. Weil ich ihm viele kleine Probleme ferngehalten und die großen mit ihm geteilt habe. Ohne mich hätte er es nicht so weit gebracht. Und dafür also dieses faszinierende, einzigartige Dankeschön. …”

[WordPress macht mir heute mal wieder das Leben schwer. Hier kann man das Foto vergrößern und den herrlichen Text selbst lesen.]

Ohh, he was gorgeous!*

Januar 25, 2008

Klar, die Bild kann kein Englisch (wozu auch) und hat eine fantasievolle Geschichte rund um den Fast-Absturz in Heathrow gedichtet, aber das Schönste zu dem Thema stand in einem Artikel der BBCNews. Der Pilot und Held des Tages, Peter Burkill, wollte nicht mit der Presse reden, da haben sich die Journalisten eben mit den Nachbarn unterhalten:

Mr Burkill is well known by his neighbours in Worcester, Paddy and Valerie Firminger, as they are friends of the Burkills. Mrs Firminger said she was not surprised Mr Burkill dealt with the situation so well. She said: “He’s absolutely gorgeous. He’s all you imagine an airline pilot to be. He’s very good looking, very calm.”

(via Quinquireme)

[*hihi, Matt Lucas]

Links, Baby! (ed.2)

Januar 25, 2008

  • Manche Leute sind vom Internet angeekelt
  • Was, das Internet ekelt dich an? Wie ekelhaft.
  • Wer denkt, die heutige Werbung sei verstörend, wird eines besseren belehrt.
  • Herrliche Modestrecke aus der italienischen Vogue (ja, wirklich!)
  • Und aus der Rubrik Perlen vor die Säue: BBC Three will sich von seinen Maskottchen, den “Blobs”, trennen. (via Fernsehlexikon)